Verkehrsversuch: wichtiger Schritt in Richtung Verkehrswende


Die Stadtverwaltung will in der Fackenburger und Krempelsdorfer Allee einen Verkehrsversuch durchführen. „Den Verkehrsversuch zur Vorbereitung auf künftig erforderliche Maßnahmen im Rahmen einer klimaorientierten Verkehrswende befürworten wir ausdrücklich,“ sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Petereit: „Dabei ist uns eine ausführliche Diskussion in den Ausschüssen und der Bürgerschaft wichtig. Ergebnis dieser Diskussion muss eine Vorlage sein, in der konkret die einzelnen Maßnahmen, die damit verfolgten Ziele, aber auch die Kosten benannt werden.“

 

„Gerade bei diesem Thema bedarf es einer klaren Beschlussfassung durch die Bürgerschaft. Eine Information der Kommunalpolitiker:innen über einen Bericht ist bei diesem sensiblen Thema nicht der richtige Weg“, so Ulrich Pluschkell, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion. „Es ist uns hier besonders wichtig, dass die Kommunalpolitik und Verwaltung an einem gemeinsamen Strang ziehen, die beabsichtigen Maßnahmen gut abgestimmt und mit einem entsprechenden Beschluss des Bauausschusses und der Bürgerschaft ausgestattet, in die Umsetzung gelangen. Dabei ist eine vorzeitige und einseitige Festlegung auf ein Verkehrsmittel, wie es Umweltsenator Hinsen formuliert hat (‚Wir wollen, dass die Menschen auf das Fahrrad umsteigen‘) bei einem Verkehrsversuch nicht wirklich hilfreich. Das Ziel der Reduktion des individuellen motorisierten Verkehrs ist grundsätzlich richtig, nur kann der knappe Verkehrsraum letztendlich nur einmal verteilt werden, und dabei ist die Rolle der anderen Verkehrsteilnehmer:innen gleichwertig zu berücksichtigen.

 

Pluschkell weiter: „Der Verkehrsversuch muss gut vorbereitet sein und offen Aussagen zur Verteilung des Verkehrsraums zwischen Fußgänger, Radfahrer, motorisiertem Individualverkehr und ÖPNV beantworten können. Dazu gehören zuverlässige und belastbare Verkehrszählungen vor, während und nach dem Versuch – ebenso strukturiert organisierte Befragungen der am Verkehr Beteiligten und der in den anliegenden Wohnungen und Betrieben betroffenen Menschen. Zudem sollten die Auswirkungen des Versuchs fortlaufend kontrolliert werden, um jederzeit Änderungen herbeiführen zu können. Das Thema Wiedereinführung einer Straßenbahn sollte hier zumindest mitgedacht werden.  Deshalb werden wir beantragen, dass der Verkehrsversuch in zwei Phasen aufgeteilt wird, – eine Phase ähnlich der Verwaltungsidee und eine zweite Phase, in der auf der rechten Fahrspur ausschließlich Busse fahren dürfen, also quasi vergleichbar mit einer Straßenbahntrasse.“

 

Dr. Marek Lengen, Bürgerschaftsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins St. Lorenz Nord, macht sich Sorgen um die Anwohner:innen: „Eine Verkehrswende mit dem Ziel der Verringerung des Kfz-Verkehrs ist grundsätzlich richtig. Die Anwohner:innen müssen aber mitgenommen werden. Im Bahnhofsumfeld gibt es einen enormen Parkdruck durch die nach Lübeck einfahrenden Bahnpendler. Dieses Thema darf nicht außer Acht gelassen werden, wenn eine Akzeptanz bei den hier lebenden Menschen erreicht werden soll. Das von der Bürgerschaft geforderte Anwohnerparkrecht in der Bahnhofsumgebung sollte jetzt zur Umsetzung kommen. Ansonsten könnte ein sinnvoller Verkehrsversuch im Vorhinein negativ in der Öffentlichkeit belastet werden, und das wollen wir vermeiden.“